Eigentlich bin ich schon seit 2002 oder so kein T-Online-Kunde mehr. Aus Gründen der Bequemlichkeit rief ich aber noch bis Mitte 2004 meine Emails mit der T-Online-Software (v5) ab – die konnte per POP auch andere Email-Konten prüfen.

Irgendwann stieg ich dann doch auf was Vernünftiges um – Thunderbird. Der Umstieg lief super, es blieb nur ein Problem: Die Email-Software von T-Online sieht keinen Weg vor, die von ihr gespeicherten Mails jemals wieder preiszugeben. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Naja, dieser Status blieb satte 5 Jahre so. Die Mails von „vor Mitte 2004“ schlummerten in der T-Online-Software, im alten Windows 2000-Abbild (unter VirtualPC). Doch nun sollte das alte Windows 2000 mal weg, immerhin frißt es 30 GB auf der Platte, ohne daß ich es in den letzten paar Jahren mal gebraucht hätte. (Selbiges gilt für die Emails, aber die will ich trotzdem haben!)

Soweit so schlecht. Suchen im Netz brachte ein paar Lösungen, eine komplizierter als die andere. Für eine – die vom Arbeitsaufwand her einfachste – entschied ich mich dann. Hier nun als Schnellzusammenfassung, wie man der T-Online-Emailsoftware ihre Mails entreißt und sie nach Thunderbird, Outlook, Outlook Express oder fast jede andere Email-Software exportiert.

(Randnotiz: Bis v3 ist das alles ganz einfach – bis dahin wurden die Mails im mbox-Format gespeichert, was Thunderbird einfach lesen kann. Einfach im Netz suchen!)

Ab Version 4 geht es dann so:

Man benötigt:
T-Online-Software v6 (von der T-Online-Internetseite)
Outlook Express (von mir benutzt: v6)
Outlook (von mir benutzt: 2003)
Thunderbird (von mir benutzt: v2)

Das ganze geht übrigens am Besten in einer virtuellen Maschine, allein schon wegen der vielen Installationen, z.B. VirtualPC. Für VPC kann man bei Microsoft ein schon fertiges Windows XP als 3-Monate-Testversion runterladen!
Die Outlooks dürfen keine Mails enthalten! (Frisch installieren!)

Man tue:

  • Kopieren der T-Online-Email-Sofware v5-Datenstrukturen. Liegen unter %USERPROFILE%\Anwendungsdaten\T-Online_Software_5\eMail
  • Installation der T-Online-Software 6. (Aus Sicherheitsgründen aber nicht auf dem System, auf dem auch die v5 läuft!)
  • Importieren der alten Daten über „Einstellungen / Daten archivieren/importieren… / Importieren“. Ggf. für weitere Benutzer wiederholen.
  • Im Posteingang markiert man nun etwa 1000-1500 Mails. Auf „Weiterleiten“ klicken. Sinnvollen Betreff eingeben und auf „Als Entwurf speichern“ klicken.
  • In „Entwürfe“ mit der rechten Maustaste auf die gerade entworfene Mail klicken und speichern. Als Typ „eml“ wählen!
  • Die beiden vorherigen Schritte wiederholen, bis alle Mails „erledigt“ sind. Nicht zu viele oder zu viele große Mails auf einmal nehmen! Die anderen Ordner (Gesendet, Entwürfe, …) nicht vergessen!
  • Soweit sind wir fertig mit der T-Online-Software, die Mails sind „entrissen“. Nächstes Problem: Aus der eml mit vielen Anlagen sinnvolle Mailschnipsel zu machen. Leider habe ich keine Software dafür gefunden… 🙁
  • Also: Die gespeicherten eml-Dateien kann man nun per Drag&Drop in den Posteingang von Outlook Express ziehen. (Einzeln, nicht alle auf einmal!)
  • Nun in Outlook (ohne „Express) die Mails von Outlook Express importieren: „Datei / Importieren / aus anderen Programmen / Outlook Express“
  • Nun sind die Mails aus den eml-Dateien im Posteingang. Jeweils eine markieren und „Datei / Anlagen speichern / Alle Anlagen“. Für jede Mail am Besten einen eigenen Ordner wählen und los…
  • Outlook wird nun gelegentlich melden, daß eine Datei schon existiert. Diese Datei im Ordner auf der Platte suchen und umbenennen. (Name ist egal.) Dann überschreiben lassen.
  • Der Schritt über „Outlook“ fehlt in allen anderen Beschreibungen, diese empfehlen, die Anlagen von Outlook Express speichern zu lassen. Das ist aus zwei Gründen nicht gut: 1. Ich habe festgestellt, daß Outlook Express nicht alle Anlagen speichert, es fehlen also später Mails! 2. Outlook hängt die Größe der Datei an den Namen auf der Platte an – im Gegensatz zu Outlook Express, das nur den Betreff als Namen nimmt. Man spart sich also sehr viel Umbenennarbeit!
  • Anschließend kann man die Dateien, die man vorher importiert hat, in Outlook löschen. (Auch den Papierkorb leeren, sonst landen die nachher auch in Thunderbird.)
  • Die Dateien auf der Festplatte kann man per Drag & Drop wieder in Outlook importieren. Man hat nun alle Mails der T-Online-Software in Outlook.
  • Wer die Mails in Outlook will, kann hier aufhören.
  • Wer die Mails in Outlook Express will, kann sie aus Outlook einfach über „Datei / Importieren / Nachrichten / Outlook“ importieren.
  • Wer die Mails in Thunderbird will, kann sie aus Outlook einfach über „Extras / Nachrichten / Importieren / Outlook“ importieren.
  • Wichtig: Zum Import in Thunderbird muß Outlook die Standard-Email-Anwendung sein! Dazu in Thunderbird aus- und in Outlook einschalten, ggf. auch unter „Programme / Zubehör / Programmzugriff und -standards“ entsprechend einstellen. Wenn’s dann immer noch nicht klappt, Windows neu starten und eine Reperaturinstallation von Office durchführen lassen!
  • Fertig! 🙂

Durch die vielen manuellen Arbeitsschritte und das lange Warten auf das Ende mancher Aktionen sollte man den Zeitaufwand nicht unterschätzen: Insgesamt habe ich für meine ca. 8000 Mails einen ganzen Tag gebraucht!